Bestes Resultat zum Saisonschluss!

Beim Saisonfinale der GP3-Series in Abu Dhabi gelang Kevin Jörg das beste Resultat der ganzen Saison: Der 4. Platz im ersten Lauf vom Samstag war des beste Ergebnis überhaupt, im zweiten Rennen vom Sonntag reichte es zu Rang acht. Mit insgesamt 13 Meisterschafts-Punkten war es das erfolgreichste Wochenende der ganzen Rennsaison.

Mit dem Saisonende 2016 in Abu Dhabi ist Kevin Jörgs Zeit im französischen Dams-Team vorbei. Am Donnerstag und Freitag dieser Woche testet der 21- jährige Schweizer für das GP3-Team „Arden International“. Arden ist eine Option für die Saison 2017.

Nach einer völlig verkorksten Saison 2016 waren die letzten beiden Saisonrennen in Abu Dhabi für Kevin Jörg ein Aufsteller zum richtigen Zeitpunkt. Die Leistungskurve zeigt zum Saisonschluss wieder klar nach oben. Dabei hatte das freie Training noch so begonnen, wie praktisch die ganze Saison verlaufen war: Mit technischen Problemen, die es dem 21jährigen Nachwuchsfahrer aus Weesen nicht erlaubten, bei jedem Rennen sein volles Potenzial zu zeigen. „Bei Halbzeit des freien Trainings funktionierte plötzlich das Gaspedal nicht mehr“, erzählt Kevin Jörg. „Meine Mechaniker konnten das Problem zwar lösen, aber ich habe bei der Reparatur an der Box wertvolle Trainingszeit verloren.“

In der nachfolgenden Qualifikation legte der Dams-Pilot dann aber trotzdem eine fehlerfreie Runde hin und sicherte sich den achten Startplatz. Von dort aus ging es im ersten Rennen konstant nach vorn bis auf den vierten Schlussrang. „Ich bin ein konstantes fehlerfreies Rennen gefahren und habe mir damit das beste Resultat der ganzen Saison geholt“, freute sich Kevin Jörg.

Im zweiten Rennen vom Sonntag lief es dann nicht mehr ganz so rund. Kevin brachte in der ersten Rennphase – wie schon so oft in dieser Saison – die Reifen nicht auf die nötige Betriebstemperatur. „Weil der Grip fehlte konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht richtig attackieren und habe drei Plätze verloren“, erklärte der 21- jährige Weesner. „Zum Glück gelang es mir dann aber doch noch, den achten Platz zu halten und einen weiteren Punkt nach Hause nehmen.“

Saison 2016 insgesamt enttäuschend

In Abu Dhabi ist ganz zum Schluss noch einmal vieles richtig gelaufen. Doch insgesamt war der Saisonverlauf eine grosse Enttäuschung. “2016 war von einigen Ausnahmen abgesehen tatsächlich nicht mein Glücksjahr“, blickt Kevin Jörg zurück. „Zu Saisonbeginn in Barcelona stand ich in der Startaufstellung zwar auf dem zweiten Platz. Doch mit dem angestrebten Podium wurde es leider nichts. Und ab dem zweiten Rennweekend in Österreich ging es dann plötzlich steil bergab.“

Beim GP-3-Auftakt von Mitte Mai in Barcelona kamen dank einem fünften (erstes Rennen) und einem siebten Platz (zweiter Lauf) trotz der verpassten Podiumsplatzierung 12 Meisterschafts-Punkte aufs Konto. In den 14 folgenden Rennen reichte es dann aber nur noch für einen einzigen Zähler in Budapest. Dies trotz zwei gelungenen Qualifyings in Monza und Spa, wo sich Kevin Jörg zweimal den fünften Platz erkämpft hatte.

Doch in Monza begann der Motor bereits auf dem Startplatz zu überhitzen. Das Triebwerk ging in den Sicherheitsmodus, worauf dem jungen Ostschweizer beim Start die maximale Motorpower fehlte. „Mit diesem Handicap hat man keine Chance“, erklärt Kevin Jörg. „Da wird man schon auf den ersten paar hundert Metern von links und rechts überholt, ohne dass man sich dagegen wehren kann.“ Auch in Belgien brachte Startplatz fünf kein Glück: Der Dams-Pilot wurde schon in der ersten Kurve im Gedränge abgeschossen.

Reifenproblematik nie in den Griff gekriegt

Kevin Jörg zu den Gründen für die unaufhaltsame Talfahrt im Verlauf der Saison: „Es drehte sich immer wieder alles darum, dass wir unsere Reifen nicht auf die nötige Betriebstemperatur brachten. Und weil die Leistungsdichte in der GP 3 enorm hoch ist, wird man während eines Rennens sehr schnell bis ins hintere Drittel des Feldes durchgereicht.“

Nach längerem Überlegen hatte sich Kevin Jörg für die Saison 2016 für ein Cockpit bei Renault Dams entschieden. Dieser Schritt war auch durch die Tatsache beeinflusst, dass der 21-jährige St. Galler in diesem Jahr Mitglied der „Renault Sport Academy“ war. Als Nachwuchsrennfahrer so etwas wie ein Ritterschlag durch einen Automobil-Hersteller, der ein eigenes Formel-1-Team betreibt. Doch die Dams- Equipe war 2016 ein Neuling in der GP3. Und das sollte sich in der Folge noch als grosser Nachteil erweisen.

Kevin Jörg ist keiner, der sein Team in der Öffentlichkeit kritisiert. Aber: Erfolg ist eben nur mit einem funktionierenden Teamplay zwischen Fahrer und Ingenieur möglich. Und da haben die Schnittstellen in den letzten Monaten nicht immer gepasst. Kevin weist aber auch darauf hin, dass bei einem Rennweekend jeweils nur

ein 45minütiges freies Training zur Verfügung stand, um das Auto auf die jeweilige Strecke abzustimmen. „In dieser kurzen Zeit kannst du nicht lange herumpröbeln“, sagt Kevin Jörg. „Wenn die erste Entscheidung nicht zu hundert Prozent richtig ist, kommst du wegen des Zeitmangels bereits unter Druck.“ Und weil das Team Dams 2016 zum ersten Mal in der GP3-Kategorie antrat, war es auch nicht möglich auf Abstimmungs-Daten des Vorjahres zurückzugreifen. Die Ingenieure mussten auf jeder neuen Strecke quasi wieder bei Null beginnen und bewegten sich in Sachen Fahrzeug-Abstimmung auch öfter mal in die falsche Richtung.

Jetzt nur noch nach vorn schauen

Mit den letzten beiden Saisonrennen in Abu Dhabi hat Kevin Jörg die frustrierende Saison 2016 definitiv abgehakt. Ab jetzt geht der Blick nur noch nach vorn. Für eine Entscheidung, wie es in Zukunft weitergeht, bleibt nur noch wenig Zeit. „Das ist natürlich enttäuschend“, hält Kevin Jörg fest. „Ich will die Dinge jetzt aber positiv sehen. Obwohl einzelne Rennen äusserst frustrierend waren, habe ich vor allem in Bezug auf die Reifen-Problematik viel dazugelernt. Falls ich 2017 wieder in der GP3 fahre, werden mir diese Erfahrungen sehr nützlich sein.“

Testfahrten im Dezember

Am kommenden Donnerstag und Freitag (1./2.12.) testet Kevin Jörg in Abu Dhabi das GP3-Auto des Teams Arden International. Arden war in der Saison 2016 die zweitbeste Equipe in der Teamwertung der GP3-Meisterschaft. Diese zwei Test- Tage sind für den 21-jährigen Schweizer ganz besonders wichtig. Alle GP3-Teams nutzen die gute Gelegenheit, nur ein paar Tage nach Saisonschluss bereits die ersten Erkenntnisse für die Saison 2017 zu gewinnen. Ein idealer Gradmesser für Kevin Jörg. Er wird nach zwei Testtagen gut abschätzen können, wo er fahrerisch nach der missglückten Saison steht. Und er hat nach dem Test im Arden-Fahrzeug den direkten Vergleich zu seinem bisherigen Dams-Auto. Bis am Freitagabend wird er ein Gefühl dafür entwickelt haben, was in einer zweiten Saison in der GP3 bei optimalem Verlauf möglich wäre.

Nur fünf Tage später sitzt Kevin Jörg zum zweiten Mal innerhalb von rund drei Wochen im Lotus 3.5 V8. Am 7. Dezember ist er für den letzten Testtag im Jahr 2016 in Jerez unterwegs. Danach drängt die Zeit. Kevin muss in Zusammenarbeit mit seinem persönlichen Umfeld und seinen Sponsoren entscheiden, wohin die Reise 2017 gehen soll. Ein zweiter Anlauf in der GP3 oder doch besser ein Wechsel in die Formel 3.5 V8? Die Qualität der in Frage kommenden Teams und der sportliche Wert der Meisterschaft werden über diese Frage entscheiden.

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